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2EarlyAdopter: Der Versuch, einen digitalen Impfausweis zu bekommen

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Es sollte verfügbar sein, das digitale Impfzertifikat. Doch nicht nur Server-Ausfälle machen den Apotheken – und Kunden – einen Strich durch die Rechnung.


    2EarlyAdopter: Der Versuch, einen digitalen Impfausweis zu bekommen


    2EarlyAdopter: Der Versuch, einen digitalen Impfausweis zu bekommen

(Bild: triocean/Shutterstock.com)

Von

  • Gerald Himmelein

Am Dienstagnachmittag, einen Tag nach Start der Ausstellung für das Impfzertifikat, bin ich in die Apotheke gegangen, um aus meinem analogen Impfausweis einen digitalen Impfnachweis generieren zu lassen. Hat nicht geklappt. Hat sehr spektakulär nicht geklappt.

"Hallo, ich würde gerne meinen analogen Impfausweis digitalisieren lassen." Von der anderen Seite des Tresens kommt ein gequältes Lächeln.

"Das können wir machen, aber nicht sofort. Das Portal von IBM ist ausgefallen." "Bundesweit", fügt sie hinzu, als ob mein amüsierter Blick technische Inkompetenz unterstellen würde. Ich könne auf die Warteliste, bietet sie mir an. Ich willige ein und frage, was sie von mir braucht. Sie will zuerst einmal eine Fotokopie von meinem Personalausweis machen, dann bekomme ich einen Abholzettel.

Die Apothekerin kommt mit einem zu 75% schwarzen Duplikat meines Ausweises zurück. "Kann man gerade noch lesen", meint sie und legt die Kopie zu meinem gelben Impfpass. Erst jetzt schwant mir, dass sie den Impfausweis behalten will.

"Können Sie den Impfpass vielleicht auch kopieren?" Sonst wäre ich ja danach komplett unbestätigt. Sie überlegt kurz und will es versuchen. Sie kommt mit einer zu 50% schwarzen Kopie zurück. Die beiden Chargennummern sind das einzige, was ich auf Anhieb wiedererkenne. Immerhin.

"Kommen Sie lieber nicht zu bald wieder." Kurz dachte ich, ich hätte mich verhört. "Also nicht morgen, sondern eher Donnerstag?" "Frühestens Freitag. Kann auch nächste Woche werden."

Dann bricht das volle Elend aus ihr raus: "Wir haben einen Rückstau von 30 Anträgen. Die Kollegin macht das seit gestern den ganzen Tag. Heute hat sie nur 5 Anträge geschafft, weil die Server immer wieder ausgefallen sind." Aktuell benötigte sie zur Bearbeitung jedes Antrags je eine Stunde.

Meine Telefonnummer will die Apothekerin nicht. Ich könne bei der Nummer nachfragen, die auf dem Abholzettel aufgedruckt ist, um zu erfahren, ob der Nachweis fertig sei. Sie legt die beiden Kopien beiseite und ich verabschiede mich.

Ich trete in die helle Sonne hinaus. Meinen gelben Impfpass habe ich ja zum Glück noch. Geld hat die Apothekerin keines gewollt, obwohl ich es ihr angeboten habe. (Ich habe online mehrfach etwas von 18 Euro gelesen. Ob ich das direkt zahle oder über die Steuer, muss man ja erstmal herausfinden). Draußen auf dem Parkplatz habe ich spontan ein Wort im Kopf. Es ist: Neuland.

So viel zu meiner Erfahrung. Ich war offenbar nicht allein:

Über die überforderte Infrastruktur von IBM und RKI haben am Montag und Dienstag diverse Medien berichtet. Es scheint ein sehr unterschiedlich erfolgreicher Auftakt in den Apotheken gewesen zu sein. Gerade bei Lokalzeitungen klingt es aber doch eher insgesamt mies.

Auf Twitter schreibt Samina Mir sehr eindrucksvoll aus Apothekerinnensicht ihren Frust über den Stand der Dinge. (Um ganz genau zu sein: Sie identifiziert sich als pharmazeutisch-technische Assistentin.) Ausgewählte Lowlights:

  • Bei Impfungen mit einem 2×-Impfstoff müssen beide einzeln erfasst werden.
  • Das System kann auch QR-Codes ausgeben, die nur eine Impfung abdecken. Die sehen genauso schön aus, sind aber nicht regelkonform.
  • Die ganzen Impfdaten müssen also zweimal komplett abgetippt werden. Fehlerfrei.
  • Es gibt keine Korrekturmöglichkeit, nur die Möglichkeit, mit der Eingabe neu anzufangen. Daraus folgt, dass mehr Zertifikate ausgestellt werden als Personen geimpft wurden.
  • Das Formular erfasst aktuell keine durchlaufenden Infektionen. Das ist deshalb ein Problem, weil Corona-Genesene in jedem Fall nur eine Impfung bekommen.
  • Apotheken haben keine Anleitung erhalten, woran sie gefälschte Impfpässe erkennen könn(t)en.
  • Es werden keine Daten abgefragt, anhand derer sich die Gültigkeit der Impfpässe beurteilen ließe (z. B. Chargennummer, Arztname, Impfzentrum).

Darüber hinaus seien die Server am Dienstag von 9:30 bis 18 Uhr ausgefallen. Dieser Widrigkeiten zum Trotz haben Samina Mir und ihre Kollegen an einem Tag 100 Personen erfasst. Ich glaube, ich trau' mich schon am Donnerstag, bei meiner Apotheke anzurufen.

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(emw)

Quelle: www.heise.de

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