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Java: Adoptium schlägt als Top-Level-Projekt in der Eclipse Foundation auf

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Das Adoptium-Projekt, vormals AdoptOpenJDK, zieht unter das Dach der im Java-Ökosystem renommierten Stiftung und sichert so seine herstellerunabhängige Zukunft.


    Java: Adoptium schlägt als Top-Level-Projekt in der Eclipse Foundation auf

Developer Von

  • Silke Hahn

Die Eclipse Foundation, eine der größten Non-Profit-Stiftungen für Open-Source-Software weltweit und besonders verankert im Java-Ökosystem, hat die Gründung der Adoptium-Arbeitsgruppe bekanntgegeben. Während die neue Working Group sich künftig um nichttechnische Belange wie Infrastruktur, Marketing, Rechtsvertretung, finanzielle Ressourcen, Lobbyarbeit für Entwickler und Governance kümmert, konzentriert sich das weiterhin bestehende AdoptOpenJDK Technical Steering Committee ganz auf die technische Seite des Projekts.

Gründungsmitglieder der Arbeitsgruppe sind eine Reihe von Java-Entwicklern und -Anbietern wie Alibaba Cloud, Huawei, IBM, Karakun, Microsoft, New Relic und Red Hat. Ebenfalls an der Gründung beteiligt ist der deutsche Verband iJUG (Interessengemeinschaft deutschsprachiger Java User Groups). Die strategischen Gründungsmitglieder sind jeweils durch ein Mitglied im Steering Commitee vertreten, durch die iJUG hat auch die deutschsprachige Java-Community eine Stimme und Einfluss auf die künftige Entwicklung des Projekts.

Aus der Eclipse Foundation heraus wird die Adoptium-Arbeitsgruppe individuelle Java-Nutzer und Unternehmen künftig mit stabilen Distributionen von Java-Laufzeitumgebungen auf der Basis des OpenJDK-Quellcodes versorgen, die zum Java-Ökosystem vollständig kompatibel sein sollen. Das Adoptium-Projekt setzt auf der Arbeit auf, die die AdoptOpenJDK-Organisation zuvor geleistet hatte – dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Fork, wie Tim Ellison, Distinguished Engineer und Principal Architect Java Runtimes bei Red Hat, im Gespräch mit heise Developer betont. So war AdoptOpenJDK zuletzt stark gewachsen und hätte mehr Regeln gebraucht, um die Projektarbeit zu koordinieren. Den Ausschlag für den organisatorischen Wechsel gab das über die Java-Welt hinaus anerkannte Governance-Modell der Eclipse Foundation, ergänzt Mike Milinkovich, Executive Director der Stiftung, in der selben Videoschalte.

Unter dem Dach der Eclipse Foundation könne die global verteilte, relativ kleine Gemeinschaft derer, die Adoptium implementieren, mit Gleichgesinnten sicher zusammenarbeiten – unabhängig vom Standort und der aktuellen politischen und rechtlichen Lage. Die Stiftung biete einen sicheren Rahmen dafür, betont Milinkovich, dessen Stiftung letztes Jahr den rechtlichen Standort von den USA nach Brüssel verlegt hatte. Aufgabe der neuen Arbeitsgruppe sei, einen Plan für die Entwicklung zu entwerfen und das Budget zu überschauen. Für Nutzer und Entwickler stelle der Wechsel keine Disruption dar, erklärt Ellison auf Nachfrage, der Übergang verlaufe fließend. Die technische Arbeit werde fortgesetzt, und wer aus der Community zum Adoptium-Projekt beiträgt, trage damit zugleich zu AdoptOpenJDK bei.

Der Einrichtung der Arbeitsgruppe gingen Milinkovich zufolge ab Juni 2020 Verhandlungen mit Oracle voraus, die sich wegen der Komplexität der Fragen über sechs Monate erstreckten. Oracle sei weiterhin der "Steward von Java" und kontrolliere die Zukunft der Programmiersprache. Auch dies mag die Eclipse Foundation als Partner empfohlen haben, da die Stiftung beispielsweise durch die Übernahme von Java EE und folgende Umbenennung zu Jakarta EE bereits über Erfahrung im Verhandeln mit Oracle verfügt. Das Ergebnis der Verhandlungen sei für die Stiftung, für Oracle und die Community gleichermaßen zufriedenstellend, urteilte Milinkovich.

Künftig soll es vierteljährliche Releases des Frameworks geben, die Security Patches und die aktuelle Problembehebungen liefern. Für Support können Nutzer sich via Slack oder Mailingliste an die Community wenden, kommerziellen Support bieten darüber hinaus auch Anbieter wie Red Hat oder Karakun an. Ellison betont gegenüber heise Developer, dass die Workarounds und Änderungen, die aus Supportfällen entstünden, den Weg in die allgemeine Codebasis dann auch weiterhin finden.

Hintergrundgespräch zum Umzug des Adoptium-Projekts


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"Von Eclipse Adoptium wird es nur TCK-geprüfte Veröffentlichungen geben": Hendrik Ebbers und Andreas Ahlenstorf im Gespräch mit heise Developer zum Umzug des AdoptOpenJDK-Projekts zur Eclipse Foundation.

Die Frage, welche Auswirkungen sich für die deutschsprachige Community der Java-Nutzer ergebe, beantworten Ellison und Milinkovich einhellig: Die iJUG stehe hinter dem Wechsel unter das Dach der Eclipse Foundation, da es ihr ein Anliegen sei, die Langlebigkeit des Projekts und die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern zu wahren. Als Top-Level-Projekt der Eclipse Foundation treffen die Committer ihre technischen Entscheidungen wie in Open-Source-Projekten üblich weiterhin selbstständig und unabhängig, zwischen dem technischen Projekt und der Arbeitsgruppe gebe es eine strikte Trennung. Die Community habe darüber hinaus aber als Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe auch bei nichttechnischen Belangen über die iJUG und zum Beispiel Karakun ein Mitspracherecht.

Ellison und Milinkovich begrüßen den Wechsel von Adoptium zur Eclipse Foundation und geben an, dass es dabei um herstellerunabhängigen Fortbestand des Projekts gehe. AdoptOpenJDK sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen und habe mehr Regeln und Richtlinien benötigt, um die Projektarbeit zu koordinieren, erklärt Ellison. Die technischen Entwickler hätten zunehmend Zeit für die Repräsentation des Projekts nach außen aufbringen müssen. Durch die Einrichtung der neuen Arbeitsgruppe bei der Eclipse Foundation seien die Entwickler entlastet und könnten sich auf ihr Kernanliegen, die technische Weiterentwicklung, konzentrieren.

Mehr Informationen lassen sich der Projektseite bei der Foundation entnehmen. Die Pressemeldung ist ebenfalls im Netz einsehbar und bietet zusätzliche Stellungnahmen der einzelnen Gründungsmitglieder. Auch die Vereinbarung der Arbeitsgruppen-Mitglieder lässt sich auf den Seiten der Eclipse Foundation abrufen.

Die Eclipse Foundation wurde 2004 gegründet und hatte ihren Hauptsitz bisher im kanadischen Ottawa. Die Historie geht noch drei Jahre weiter zurück: 2001 startete IBM zusammen mit mehreren Softwareanbietern wie Red Hat, SuSE und Borland das Eclipse-Projekt.

Die Stiftung, die sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen aufnimmt, entstand mit dem Ziel, eine anbieterunabhängige Gemeinschaft zu schaffen. Die Projekte stehen öffentlich unter der Eclipse Public License bereit. Zu den namhaften Projekten gehört als Urgestein die Eclipse IDE. In den letzten Jahren gab es starken Zuwachs aus dem Enterprise-Java-Umfeld. So steht der Java-EE-Nachfolger Jakarta EE unter dem Schirm der Stiftung, und Eclipse MicroProfile zielt vor allem auf die Entwicklung von Microservices. Vor kurzem hat die OSGi Alliance ihre Arbeit an die Foundation übergeben. Daneben ist die Foundation traditionell im Bereich Internet of Things (IoT) stark aufgestellt. Insgesamt existieren derzeit 18 Working Groups für die einzelnen Bereiche.

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(sih)

Quelle: www.heise.de

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