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Sucht oder nicht?: Wann der ständige Griff zum Smartphone zum Problem wird

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Sucht oder nicht?  

Wann der ständige Griff zum Smartphone zum Problem wird

12.03.2021, 07:03 Uhr | dpa

Sucht oder nicht?: Wann der ständige Griff zum Smartphone zum Problem wird

Ein Sinnbild dieser Zeit: Menschen, die auf Smartphones starren. Foto: Christin Klose/dpa-tmn. (Quelle: dpa)

Bad Bramstedt (dpa/tmn) – Im Bus, im Wartezimmer beim Arzt oder abends auf der Couch, wenn das Fernsehprogramm langweilt: Der Griff zum Smartphone ist oftmals ein Automatismus – und dann braucht es großen Willen, um die Finger davon zu lassen.

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Schnell fällt in solchen Zusammenhängen auch mal der Begriff Sucht. In einer Forsa-Umfrage im Sommer 2020 gab beispielsweise die Hälfte der befragten Eltern an, dass sie bei ihren Kindern eine suchtartige Nutzung des Smartphones fürchten.

Doch ab wann wird es wirklich derartig problematisch, dass man womöglich von einer Sucht sprechen könnte? So viel vorweg: Allein am ständigen Griff zum Gerät ist das nicht festzumachen.

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„Es gibt verschiedene Kriterien, anhand derer man das feststellen kann“, sagt Tim Aalderink. Er ist Psychologischer Institutsleiter der Schön Klinik in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) und unter anderem auf Smartphone-Sucht spezialisiert.

Stetiger Kontrollverlust

Um von Sucht zu sprechen, sei im Kern der Kontrollverlust entscheidend. Man hat die Nutzung nicht mehr im Griff und packt selbst in unpassenden Situationen, die man auch selbst so empfindet, das Smartphone aus – zum Beispiel beim Abendessen im Restaurant mit Freunden. Oder, ein weiteres Beispiel: Man ist müde und weiß, dass man schlafen gehen müsste, doch kann sich nicht vom Gerät trennen.

Eine mögliche Sucht offenbart sich auch an der Verschiebung von Prioritäten: Wenn selbst die Aufgaben im Job oder die Hobbies hinter dem Smartphone zurückstehen.

Das Problem zeigt sich zudem daran, dass man trotz negativer Folgen die exzessive Nutzung fortsetzt – also selbst dann, wenn sich Freunde von einem abwenden oder man Schulprobleme bekommt.

Nutzungsdauer allein ist kein Beleg

Die Nutzungsdauer allein ist jedenfalls kein Beleg für eine Sucht. Wobei es aus Sicht von Tim Aalderink bereits viel ist, wenn jemand außerhalb des beruflichen Kontexts sein Smartphone fünf Stunden täglich nutzt. Entscheidender ist dennoch etwas anderes.

„Wenn man das Smartphone nicht mehr zum Genuss oder zur Zerstreuung einsetzt, sondern damit Gefühle wie Einsamkeit oder Frust regulieren will, wird es schwierig“, erklärt Aalderink. Die meisten nutzten es aber vor allem zum Spaß und zur Zerstreuung, und das sei auch in Ordnung, selbst wenn es mal länger in der Hand bleibt.

Oft nutzen Menschen das Smartphone auch, obwohl sie zum Beispiel gerade einen Film schauen. Diese „Second-Screen-Mentalität“ sieht Aalderink nicht so kritisch, er hat auch eine Erklärung dafür: „Die Nutzungsgewohnheiten von Medien und unsere Aufmerksamkeitsspanne haben sich in den vergangenen Jahren einfach verändert. Wir sind auf schnellere und intensivere Reize trainiert. Ich persönlich schaue heute lieber Serien als Filme, weil mir Filme oft zu lang sind.“

Ständiger Verfügbarkeit den Riegel vorschieben

Dazu kommt die Verfügbarkeit des Smartphones: Wenn wir auf dem Sofa sitzen, einen Film schauen, ihn langweilig finden und das Smartphone liegt neben uns, braucht es nur einen Griff. Früher hätte man aufstehen müssen, um sich ein Buch zu holen.

Aus dem letztgenannten Beispiel lässt sich auch die simpelste aber aus Sicht des Experten effektivste Strategie ableiten, um weniger oft ins Smartphone zu schauen. Sie lautet: Aus den Augen aus dem Sinn.

So legt man das Smartphone während des Filmabends einfach in einen anderen Raum. Oder packt es während des Spaziergangs am Strand in den Rucksack, um voll und ganz den Moment aufzusaugen – und nicht ständig das Gefühl zu haben, Fotos mit dem Smartphone machen zu müssen. Man kann Smartphone-freie Zonen definieren, zum Beispiel den Esstisch.

Ein kleiner Schritt hin zu mehr Geräteabstinenz ist das Ausstellen von Benachrichtigungen, einschließlich Vibrationen. Apps an Bord der Geräte wie Bildschirmzeit bei Apples iOS-System und Digital Wellbeing bei Googles Android zeigen einem außerdem schonungslos auf, wie oft und lange man tatsächlich das Smartphone nutzt – möglicherweise liefert das einen Anstoß, diese Zahlen zu drücken.

Hilfe bei Sucht

Fakt ist: Ist man wirklich süchtig, helfen einem diese Tipps kaum weiter. Wer das Gefühl hat, die Smartphone-Nutzung nicht mehr im Griff zu haben, kann sich erstmal an eine Suchtberatungsstelle wenden. „Viele kennen sich auch mit Mediensucht aus“, sagt Aalderink.

Der nächste Schritt wäre – je nach Schwere des Problems – eine ambulante oder stationäre Therapie. Dabei wird in der Regel zum einen aufgearbeitet, warum man süchtig geworden ist, und zum anderen daran gearbeitet, die Selbststeuerung zu verbessern, damit man nicht mehr dauernd zum Smartphone greift.

Mögliches Problem ansprechen

Wer das Gefühl hat, dass der Lebenspartner oder eine Freundin Probleme mit der Smartphone-Nutzung hat, sollte das ansprechen – ohne Druck auszuüben. Wichtig sei hier die Ich-Perspektive einzunehmen, so der Experte. Man sagt zum Beispiel: „Mir fällt auf, dass du sehr viel zum Smartphone greifst. Ich mache mir Sorgen.“ Man sollte sich über die Suchtthematik informieren und anbieten, darüber zu sprechen.

„Und man sollte beharrlich bleiben“, sagt Aalderink, „denn der andere wird das oft erstmal abbügeln.“

Bei Kindern ist es aus Sicht des Experten zunächst einmal wichtig, dass man sich als Elternteil generell dafür interessiert, was sie überhaupt machen. „Man muss die Medienkompetenz schulen – und man muss Kontrolle ausüben“, rät der Psychologische Psychotherapeut. Das heißt nicht, dass man Verbote aufstellt. „Aber man sollte schon eine Medien- und Bildschirmzeit als Rahmen herstellen, weil die Kinder sonst schnell überfordert sind mit der Smartphone-Nutzung.“

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Quelle: www.t-online.de

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