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Browser Vergleichstest

Neun Desktop-Browser von schlank bis vielseitig

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 Keine Frage: Die Systembrowser Edge, Safari und Firefox – bei vielen Linux-Distributionen der Standard – sind mächtig. Dennoch konnte Chrome (beziehungsweise Chromium unter Linux) in alle Betriebssystem-Domänen einbrechen. Aber mit diesen vier Schwergewichten hat es sich dann auch: Kein weiterer Browser kann auf dem Desktop nennenswerte Marktanteile ergattern.

Das ist schade, denn der Browsermarkt gibt mehr her. Wir haben für diesen Artikel die vier „Großen“ mit fünf weniger verbreiteten Browsern verglichen. Getestet haben wir nur auf dem Desktop, ein zusätzlicher Vergleich auf Mobilgeräten hätte den Rahmen gesprengt. Falls es von den Browsern Mobilversionen gibt, haben wir dies in der Tabelle angegeben.

Sechs der Browser setzen auf Googles Open-Source-Projekt Chromium/Blink auf: Brave, Chrome, Edge, Opera, Ungoogled Chromium und Vivaldi. Außer Firefox selbst nutzt auch Waterfox dessen Rendering Engine Gecko. Außerdem haben wir Safari (WebKit) mit in den Test genommen. Safari ist als einziger Browser nur für macOS verfügbar. Durch seine enge Verzahnung mit dem Betriebssystem kann er den macOS-Schlüsselbund für das Passwortmanagement sowie den Content-­Blocker nutzen.

Komfort und Erweiterbarkeit

Viele (Komfort-)Funktionen sind Standard: ein PDF-Betrachter, ein Passwortmanager, Entwicklerwerkzeuge und die Option, wichtige Tabs anzupinnen, finden sich in allen Browsern. Wir haben sie daher in der Tabelle weggelassen. Ungoogled Chromium bietet als einziger Browser keine Synchronisierungsfunktion. Waterfox nutzt Firefox Sync, kann sich also mit den Mozilla-Browsern abgleichen.

In puncto Funktionsumfang gehen die Browserhersteller sehr unterschiedliche Wege. Chrome, Ungoogled Chromium und Waterfox sind auf wesentliche Browserfunktionen reduziert. Edge, Opera und Vivaldi dagegen trumpfen mit vielen Zusatz-Features auf – vielseitig bestückbare Seitenleisten bei Opera und Vivaldi zum Beispiel und Sammlungen bei Edge. Brave, Firefox und Safari liegen in puncto Funktionsumfang irgendwo in der Mitte.

Während es für die Chromium- und die Firefox-Browser tausende Erweiterungen aller Art gibt, stehen für Safari derzeit nur etwa hundert bereit. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Zahl deutlich erhöht. So hat Apple mit Safari 14 eine WebExtensions-Schnittstelle bereitgestellt, die denen anderer Browser gleicht. Das Ziel dürfte dabei sein, Add-on-Entwicklern die Portierung ihrer Produkte in die Apple-Welt möglichst einfach zu machen, damit sich der App Store schneller füllt.

Nutzerprofile sind praktisch, wenn mehrere Personen einen Browser nutzen. Alle Browser außer Opera und Safari bieten diese Funktion. Praktisch ist es auch, wenn man mehrere Arbeitsbereiche einrichten kann – zum Beispiel, um private Surftouren von dienstlichen Recherchen zu trennen. Vivaldi hat diese Funktion eingebaut, für alle anderen Browser außer Safari lässt sie sich mit Add-ons nachrüsten.

Performance

Wir haben die Browser unter identischen Hardwarebedingungen mehreren Performance-Tests unterzogen. JetStream2 testet JavaScript und WebAssembly, MotionMark die Grafik, Speedometer die Responsiveness von Webanwendungen und ARES neue JavaScript-Funktionen. Während diese Tests eher Teilaspekte herauspicken, testet der WebXPRT-Benchmark die HTML5- und JavaScript-Funktionen der Browser anhand von Alltagsszenarien wie Fotoverbesserung, Verschlüsselung von Notizen und Online-Hausaufgaben.

Kein getesteter Browser fiel bei der normalen Nutzung als lahm auf – da haben die Browserhersteller ihre Aufgaben gemacht, und immer schnellere Hardware tut ihr übriges. Vor diesem Hintergrund sollte man die Testergebnisse sehen. Dennoch ergibt sich aus der Masse der Ergebnisse ein Bild. So lag Ungoogled Chromium nicht nur bei einigen der synthetischen Tests im hinteren Feld, sondern vor allem bei WebXPRT. Firefox hat während des Tests mit Version 84 (am 15. Dezember 2020 erschienen) noch einen deutlichen Performance-Zugewinn bei vielen Benchmarks erhalten.

Sicherheit

Wer ein Maximum an Sicherheit will, fährt mit „großen“ Browsern am besten: Google, Safari, Firefox, Edge, Opera, Vivaldi, Brave. Bei denen kann man davon ausgehen, dass ein hinreichend großes Entwicklerteam dahintersteht, bei dem das Thema Sicherheit eine angemessene Rolle spielt und das schnell einen Fix bereitstellen kann, sobald eine Sicherheitslücke bekannt wird.

Die beiden anderen Browser, Waterfox und Ungoogled Chromium, sind nicht per se unsicher. Man muss aber tendenziell davon ausgehen, dass es bei kleineren Projekten länger dauert, bis ein wichtiges Sicherheitsupdate im Browser ankommt. Der Test mit Browseraudit, das Browser auf die richtige Implementierung von Sicherheitsstandards überprüft, hat allerdings bei keinem Browser einen kritischen Fehler gefunden, sondern nur einige Warnungen ausgeworfen.

Opera verfügt über ein eingebautes, kostenloses VPN. Der Benutzer kann damit seinen Standort verschleiern, zum Beispiel wenn er bei einem ausländischen Streamingdienst Filme sehen will, die er sonst nicht angeboten bekäme. Wer seinen kompletten Datenverkehr aber über einen einzelnen Anbieter leitet, begibt sich voll in dessen Hände und muss darauf vertrauen, dass er keinen Datenverkehr unverschlüsselt ausleitet. Einen besseren Ansatz verfolgt Brave, das Tor eingebaut hat.

Datenschutz

Manch einer der Browser verfügt über eingebaute Werbe- und Trackerblocker. Was diese Funktionen versprechen, haben wir bei frisch installierten Browsern mit „Cover Your Tracks“ der Electronic Frontier Foundation (EFF) getestet – mit durchwachsenen Ergebnissen. Nur Brave konnte dort alle Tracker blockieren, einige andere Browser bestanden den Tracker-Test „teilweise“. Wer sich einen neuen Browser installiert, sollte also die Trackerblocker schärfer justieren und ihre Wirkung mit dem EFF-Tool überprüfen.

Einen eindeutigen Fingerabdruck hinterließen alle Browser außer Brave im Test, sodass sie für Dritte identifizierbar wären. Dies gilt auch für Firefox mit eingeschaltetem Fingerprinting-Schutz: Im Test fiel auf, dass dieser Schutz bislang allenfalls sporadisch Fingerprinting-Versuche von Webseiten erkennt und blockt, verlassen sollte man sich darauf also nicht. Solche Blocker werden immer relevanter, denn weil die Browser und Werbeblocker Cookie-Tracking zunehmend erschweren, nutzen Werbenetzwerke eben andere Methoden, um Surfsessions über Sites hinweg verfolgen zu können.

Fazit

Es kann sich lohnen, einen neuen Browser jenseits der Betriebssystem-Vorgaben auszuprobieren – zumal alle Browser keinen Cent kosten. Wenn Sie etwa gerne beim Surfen Musik hören oder ohnehin immer auch den Messenger geöffnet haben, sollten Sie einen Blick auf Opera oder Vivaldi werfen. Sie möchten Ihre Privatsphäre möglichst effektiv schützen? Dann ist womöglich Brave der Browser der Wahl für Sie.

Mit Waterfox können Sie alte Firefox-Erweiterungen (wieder-)verwenden, und mit Edge können Sie PDF-Dateien nicht nur anschauen, sondern auch editieren. Vielleicht nutzen Sie eine Zeit lang zwei Browser nebeneinander und probieren, welcher Ihnen besser gefällt. Damit der Umstieg oder der Parallelbetrieb möglichst reibungslos klappt, zeigen wir Ihnen im Artikel ab Seite 70, wie Sie Ihre Bookmarks browserbergreifend verwalten.

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