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Ethereum will Transaktionsgebühren verändern: Die Miner revoltieren

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Die Kryptoplattform Ethereum will ein Update einführen, dass die Transaktionsgebühren verändert. Einer wachsenden Mehrheit der Miner schmeckt das gar nicht.


    Ethereum will Transaktionsgebühren verändern: Die Miner revoltieren

(Bild: Wit Olszewski / Shutterstock.com)

Von

  • Axel Kannenberg

Eine geplante Protokolländerung mit der Bezeichnung EIP-1559 sorgt für Streit in der Community der Kryptoplattform Ethereum. Mit der Änderung soll ein neues Modell eingeführt werden, wie das Netzwerk Gebühren der Nutzer vereinnahmt. Das Update soll für besser planbare Entgelte sorgen und auch die Inflation von Ether eindämmen, erklären die Entwickler. Die Änderung soll als Teil des "London" genannten Protokollupdates wahrscheinlich im Juli implementiert werden. Zahlreiche Betreiber von Miner-Verbünden laufen Sturm gegen das Vorhaben, weil sie Einbußen fürchten.

Bislang legen Nutzer ihren Transaktionen ein Entgelt bei, das die Miner zusammen mit der Belohnung für einen neuen Datenblock komplett einstreichen. Laut EIP-1559 soll es künftig eine vom Netzwerk einbehaltene Grundgebühr geben ("Base Fee"), die dann "verbrannt" wird. Daneben könne aber auch weiterhin das "Trinkgeld" für die Miner angewiesen werden, um die Aufnahme in einen Block zu beschleunigen. Die neue Base Fee würde dann dynamisch an die Netzwerkauslastung angepasst. Auch das Fassungsvolumen der Blockchainblöcke soll steigen.

Miner bevorzugen naheliegenderweise die Transaktionen der Nutzer, die höhere Entgelte beigelegt haben. Wer mehr zahlt, kommt also zuerst dran; wer wenig zahlt, muss warten. Wenn zahlreiche Transaktionen auf Aufnahme in den nächsten Block warten, treibt das natürlich die Preise. Derzeit liegt laut dem Dienst Etherscan.io die Gebühr im Schnitt bei 7,90 US-Dollar. Allein im Februar haben Miner umgerechnet rund 1,37 Milliarden US-Dollar vom Netzwerk erhalten, berichtet der Fachdienst The Block. Davon seien rund 723 Millionen US-Dollar Transaktionsentgelte gewesen.

Zahlreiche Mining-Pools halten jedenfalls wenig davon, ihnen geht der potenzielle Einkommensverlust gegen den Strich: Auf einer Protestwebseite haben sie sich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Zu den Gegnern gehören auch die derzeit größten Pools Spark Pool und Flexpool, auf die laut Etherscan.io derzeit über 43 Prozent der gesamten Hashingleistung des Ethereum-Netzwerks entfallen. Dem Fachdienst Coindesk zufolge dürfte das Protestlager über 60 Prozent der Mining-Leistung auf sich vereinen. Die Protestler haben offenbar in den vergangenen Wochen erheblichen Zulauf erhalten.

Die Kritiker werfen den Entwicklern vor, die Miner, die sie anfangs für den Erfolg ihres Coins gebraucht hätten, zu verraten. Das neue Gebührenmodell behandele die Miner viel zu schlecht, möglicherweise eröffne es auch Sicherheitslücken. "Anstatt dem Kellner Trinkgeld zu geben, verbrennst du es vor seinen Augen und lachst ihn aus", formuliert es der Flexpoolbetreiber Alexander Sadovskyi in einer Stellungnahme. Deshalb müssten sich die Miner zusammentun und das geplante Update ausbremsen.

Unterstützer des Updates werfen den renitenten Minern wiederum vor, sich nicht um den Zustand des Netzwerks zu scheren. Die Transaktionskosten seien in den vergangenen Monaten auf aberwitzige Höhen geklettert. Diese aufgeblähten Preise würden die Schürfer gerne weiter einstecken, auf Kosten der Nutzbarkeit von Ethereum.

Theoretisch könnten die Kritiker von EIP-1559 genug Gewicht für eine 51-Prozent-Attacke in die Waagschale werfen. Die bezeichnet die Situation, dass eine Partei die Mehrheit der Mining-Leistung auf sich vereint, und damit auch böswillige Manipulationen gegen das Netzwerk vornehmen könnte. Denkbar wäre zum Beispiel, dass sich diese Miner verabreden, keine Eintragung von Blöcken nach den neuen Regeln des Updates in der Blockchain zuzulassen.

Langfristig dürfte es aber eher auf ein Rückzugsgefecht der Miner hinauslaufen. Denn Mining soll im Ethereum-Netzwerk sowieso keine Zukunft mehr haben: Statt stromhungrige Hardware Hashwerte für einen Proof-of-Work ausspucken zu lassen, soll das ganze System auf Proof-of-Stake (PoS) umgestellt werden. Bei diesem Verfahren wird der Einsatz für den Wettbewerb ums Blockeintragen in Kryptogeld geleistet. Das wird in einen Smart Contract eingezahlt und dort einbehalten. Seit 2020 läuft bereits im Parallelbetrieb die PoS-Blockchain namens Beacon. Die Beacon-Chain und die aktuelle PoW-Chain sollen irgendwann in der Zukunft zusammengeführt werden.

Ein Vorschlag von Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin, wie sich diese Zusammenführung gegebenenfalls auch beschleunigen ließe, liegt bereits vor. Manche Beobachter sehen darin auch eine Botschaft der Entwickler an die Miner, dass man keinen Schritt zurückweiche. Ob die Parteien noch einen Kompromiss finden, ist offen. Klar ist derzeit vor allem, dass Ethereum einige überaus spannende Monate vor sich haben dürfte, bis zum geplanten Update im Juli.

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(axk)

Quelle: www.heise.de

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